 |

Krautfäule bedroht Bio-Kartoffelbau
Die Zeiten, in denen man erst kurz vor dem Reihenschluss nach der Krautfäule Ausschau halten musste, sind seit ein paar Jahren vorbei. Lange vor dem Reihenschluss, z.T. schon bei gerade aufgelaufenen Kartoffeln, ist auf einigen Schlägen die Krautfäule zu beobachten. Wilfried Dreyer - ÖKORING
 Die Krautfäule in Kartoffeln (Phytophthora infestans) ist für den Kartoffelanbau im ökologischen Landbau die Erkrankung mit der größten wirtschaftlichen Bedeutung. Historisch gesehen ist sie die älteste und verheerendste Krankheit der Kartoffel, die bereits mehrfach zu Hungersnöten (z.B. 1847 in Irland) geführt hat. Ausgehend von Befallsherden kann sich der Pilz bei feuchtem Wetter sehr schnell ausbreiten. Ein Befall tritt unter niedersächsischen Verhältnissen in jedem Jahr auf und führt, abhängig vom Witterungsverlauf, zu einem teilweisen bis vollständigen Absterben des Kartoffellaubes. Tritt die Erstinfektion in einem Bestand spät auf (z.B. Ende Juni) oder verläuft die Infektion bei trockener Witterung langsam, so ist dennoch die Ernte einer ausreichenden Knollenmenge gegeben. Die Infektion der Knollen durch den Krautfäuleerreger mit Braunfäule ist im ökologischen Landbau von untergeordneter Bedeutung. In den vergangenen Jahren ist in Niedersachsen ein solcher Erstbefall flächendeckend erst ab der zweiten Junihälfte aufgetreten. In diesem Jahr war die Krautfäule jedoch schon am 10.6. flächendeckend vertreten - so früh wie noch nie. Es stellt sich nun die Frage, ob die Witterung in diesem Jahr außergewöhnlich feucht war, so dass die Krautfäule schon sehr früh auftreten konnte, oder ob die Krautfäule in ihrer Befallsstärke ingesamt zunimmt. Wird die Krautfäule aggressiver, so ist zu prüfen, ob bzw. wie darauf im ökologischen Landbau reagiert werden kann.
Befallsverlauf
Üblicherweise überwintert der Erreger der Krautfäule als Pilzmyzel in den Knollen. Dabei ist die Infektion so gering, dass die Kartoffel im nächsten Frühjahr noch keimfähig ist. Der Pilz infiziert die auflaufende Kartoffelpflanze, die dann meist die Symptome der Stängelkrautfäule zeigt. Es ist allerdings nicht jede Krautfäule am Stängel durch eine Infektion der Knolle verursacht. Auch ist eine Infektion von Durchwuchskartoffeln oder von Abfallkartoffeln möglich. Je mehr sogenannte Primärherde (das sind mit Krautfäule befallene Pflanzen, die aus einer infizierten Knolle erwachsen sind) auf einer Fläche stehen, desto schneller und stärker breitet sich die Infektion über den gesamten Bestand aus. In dieser Art ist der Infektionsprozess seit der Einschleppung der Kraut- und Knollenfäule in Europa im Jahre 1844 bis ca. 1980 verlaufen. Bei dem Erreger handelte es sich um den Paarungstyp A 1. 1980 kam aus Mexiko der Paarungstyp A 2 hinzu. Seitdem ist eine geschlechtliche Vermehrung der Krautfäule möglich und damit die Entstehung von Dauerformen (Oosporen), die mehrjährig im Boden überdauern können sowie eine größere genetische Variation des Erregers bewirken.
Sind Krautfäuleerreger aggressiver geworden?
Nach einer niederländischen Untersuchung (Turkensteen u.a.) hat die Stärke der Krautfäuleinfektionen in den letzten 20-25 Jahren auffallend zugenommen. Diese Zunahme äußert sich nach den niederländischen Autoren in folgenden Punkten:
- die Zahl der Erregervarianten hat zugenommen
- die Zeit zwischen Infektion des Blattes und dem sichtbaren Befall (Latenzzeit) ist kürzer geworden
- die neuen Erregerstämme können im Vergleich zur bisherigen Population bei niedrigeren und höheren Temperaturen einen Befall verursachen
Zusammenfassend stellen die Autoren fest, dass die neuen Populationen der Krautfäuleerreger im Vergleich zur Referenzpopulation von 1958 fünfmal aggressiver sind und dreieinhalbmal stärker die Blätter infizieren können. Weiterhin können die neuen Populationen während der Lagerung sporulieren und somit auch gesunde Knollen infizieren.
Zunahme der Stängelphytophthora
Ein weiterer Grund für die zunehmende Bedeutung der Krautfäule liegt in dem zu beobachtenden Anstieg der Stängelphytophthora. Wie oben beschrieben, zeigt eine aus einer mit Krautfäule infizierten Knolle gewachsene Pflanze dieses Schadbild. Im ökologischen Kartoffelanbau ist der Infektionsdruck für die Braunfäule über eine Abwaschung von Sporen in den Boden ungleich größer und entweder werden anscheinend die Knollen infiziert oder sie bleiben gesund. Es sind einzelne Knollen, die nach dem Absterben der Kartoffeln mit Braunfäule befallen werden (manchmal sind es nur wenige Knollen, z.T. aber auch ein paar Prozent). Dann muss nach der Infektion bis zur Ernte ein paar Wochen gewartet werden, bis diese Knollen vollständig verfault sind und nicht mehr über den Roder gehen. Danach gibt es aber i.d.R. keine weiteren Schwierigkeiten mit der Lagerung bzw. mit einem Befall mit Stängelphytophthora bei Pflanzgut.
Anders sah die Situtation im ökologischen Kartoffelanbau bei der Ernte 2006 aus. Hier waren die Kartoffeln bis in den August hinein grün und es gab bis zur Ernte im September nur eine kurze Zeitspanne. Diese hat offensichtlich nicht ausgereicht, um das vollständige Verfaulen von mit Braunfäule infizierten Knollen zu erreichen. Somit waren die Voraussetzungen für eine latente Braunfäuleinfektion gegeben. Zusammen mit der feuchten Witterung im Mai 2007 konnte es zum Krautfäuleausbruch kommen.
Welche Konsequenzen sind für den ökologischen Landbau zu ziehen?
In diesem Jahr haben die konventionellen Betriebe z.T. größte Schwierigkeiten, die Krautfäule unter Kontrolle zu halten. Man konnte sie Ende Juni manchmal schon von Weitem in konventionellen Kartoffelschlägen erkennen.
Für Bio-Betriebe ist es ungleich schwieriger, trotz des Krautfäuledruckes einen akzeptablen Ertrag zu erzielen. Auch in diesem Jahr gibt es Schläge, die frühzeitig abgestorben sind bzw. bei denen der Ertrag gerade die Grenze von 10 t marktfähiger Ware erreichen wird. Mit solch geringen Erträgen wird der ökologische Kartoffelanbau auf den meisten Betrieben unwirtschaftlich. Um unter den gegebenen Bedingungen wirtschaftlich tragbaren Kartoffelanbau durchführen zu können, sollte beachtet werden:
-
Die Kartoffeln müssen im Frühjahr einen schnellen Start beim Wachstum haben, eine Vorkeimung oder eine optimale Keimstimmung sind dafür die Voraussetzung.
-
Bei einer Behandlung mit Kupfermitteln muss der Behandlungsbegin rechtzeitig erfolgen.
-
Die Unterschiede in den Sorteneigenschaften sind zu beachten. zurück
|
 |

 |
Es informiert Sie |
 |
 |
 |
|
Das Team "Spezialinformationen" |
|
|
 |
|
|
|
 |