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Landwirte spannen ein Blüten-Netzwerk - ein Projekt von biolog. e.V. gefördert von der Niedersächsischen Umweltstiftung

Gehen wir heute durch unsere Kulturlandschaft, finden wir nur noch wenige blühende Kräuter und Blumen auf landwirtschaftlich genutzten Flächen oder an Wegrändern. Die Blütenvielfalt hat auf Grünland und Ackerland extrem abgenommen. Durch intensive Bewirtschaftung sind viele Flächen zu Monokulturflächen geworden. Dieses Einheitsgrün ist für viele unserer heimischen Tierarten ein großes Problem.


Die Bienenverluste der Imker in den letzten Jahren geraten in hohem Maße in die Schlagzeilen und machen die Öffentlichkeit auf die Notlage der Bienen aufmerksam. Imker berichten, dass sie ihre Bienen bereits im Juli wieder zufüttern, weil sie in der Landschaft nicht mehr genug zu fressen finden. Doch eine Zufütterung mit Zucker reicht nicht aus, um ein Bienenvolk gesund zu halten. Bienen brauchen eiweißreiche Nahrung,

um sich erfolgreich reproduzieren zu können. Die Biene ist jedoch nicht allein, viele andere Insekten ernähren sich von Blütennektar oder Pollen, benötigen also Blüten und finden sie nicht mehr in der Agrarlandschaft. Insekten bilden die Nahrungsgrundlage für viele andere Tiere, wie Spinnen, Amphibien, Vögel und auch Säugetiere, so dass viele andere Tiere unter der Verarmung der Kulturlandschaft leiden.

Blühstreifen sind Strukturen in der Landschaft, in denen viele Tiere nicht nur Nahrung, sondern auch Deckung, Nistplatz und Überwinterungsquartier finden. Sie tragen zur Vernetzung bei und bringen Farbe und Vielfalt in die Landschaft, die auch von Spaziergängern oder Hofladenbesuchern wahrgenommen wird.

In Niedersachsen lief das Projekt „Landwirte spannen ein Blüten-Netzwerk” in 2007 und 2008 mit der Unterstützung der Niedersächsischen Umweltstiftung. Dank der von Bioland und der Naturschutzberatung eingeworbenen Fördermittel konnten in den beiden Projektjahren jeweils mehr als 120 Landwirten kostenlos Saatgut für Blühstreifen zur Verfügung gestellt werden, so dass jährlich etwa 100 ha in Niedersachsen mit Blühstreifen erblühten. Auch außerhalb Niedersachsens beteiligten sich zahlreiche Betriebe auf eigene Kosten an dem Projekt. Die hohe Nachfrage der Landwirte in Niedersachsen zeigte sehr deutlich, dass sich viele Landwirte der Problematik der Blütenarmut in der Agrarlandschaft bewusst sind und einen Sinn darin sehen, ihre Flächen für die Ansaat von Blühmischungen zur Verfügung zu stellen.

Teilnehmer des Projektes "Landwirte spannen ein Blüten-Netzwerk" in den Jahren 2007 und 2008

Von der Naturschutzberatung (Niedersachsen und NRW) wurden drei verschiedene artenreiche Blühmischungen entwickelt.

Diese Blühmischungen werden von Camena speziell für das Projekt gemischt und haben einen Anteil von mindestens 70% Bio-Saatgut. Die Blühmischungen „Visselhöveder Insektenparadies” und „Visselhöveder Hummelblüten” setzen sich aus einjährigen Kulturarten zusammen. Die dritte Mischung „Visselhöveder Nützlingsstreifen” soll zwei Jahre am selben Standort eingeplant werden, da sie Pflanzen enthält, die erst im zweiten Jahr blühen, wie z. B. Rotklee und Luzerne. Diese Mischung bietet vielen Insekten einen wertvollen Lebensraum zum Überwintern. Die drei Blühmischungen sind auch weiterhin bei Camena zu beziehen.

Die im Projekt entwickelten Mischungen enthalten viele verschiedene Pflanzenarten mit unterschiedlichem Blüte- und Reifezeitpunkt, so dass die verschiedensten Insekten und Vögel den ganzen Sommer über Nahrung im Blühstreifen finden. Gleichzeitig setzen sich die Blühmischungen so zusammen, dass der Pflanzenbestand sehr strukturreich wird. Durch unterschiedlich hohe Pflanzen wird die Strukturvielfalt erhöht und bietet bessere Deckung für Niederwild und andere Besucher der Blühstreifen.

Dass die Anlage von Blühstreifen im Rahmen dieses Projektes einen sofortigen Nutzen für die Natur hatte, zeigte sich an der Vielzahl der Tiere, die während der Projektlaufzeit in bzw. an den Blühstreifen beobachtet wurden. Dazu gehörten neben vielen verschiedenen Insektenarten (Hummeln, Bienen, Wildbienen, Wespen, Hornissen, Wanzen, Käfer, Schmetterlinge, Schwebfliegen, Fliegen, Blattläuse, Heuschrecken, Libellen), Spinnen, Kröten und Frösche, aber auch Vögel (Rebhühner, Fasane, Spatzen, Schafstelzen, Finken, Schwalben) und Säugetiere (Wildschweine, Füchse, Hasen, Rehe, Fledermäuse).

Tabelle 1: Zusammensetzung der drei Blühmischungen (erhältlich bei Camena).

Visselhöveder Insektenparadies
(einjährig)

                 

Visselhöveder Hummelblüten (einjährig)

               

Visselhöveder Nützlingsstreifen
(zweijährig)

            
Buchweizen 35 % Buchweizen 16 % Buchweizen 34 %
Gelbsenf 7 % Öllein 9 % Öllein 8 %
Ölrettich 4 % Phacelia 8 % Waldstaudenroggen 7 %
Öllein 14 % Sonnenblume 8 % Sonnenblume 5 %
Phacelia 12 % Mariendistel 7 % Phacelia 5 %
Sonnenblume 9 % Borretsch 3 % Borretsch 2 %
Dill 3 % Ringelblume 1 % Futtermalve 2 %
Koriander 2 % Bitterstoffarme Lupine 15 % Luzerne 10 %
Futtermalve 2 % Alexandrinerklee 10 % Esparsette 10 %
Borretsch 2 % Perserklee 8 % Bitterstoffarme Lupine 5 %
Alexandrinerklee 2,5 % Sommerwicke 6 % Gelbklee 4 %
Perserklee 2,5 % Serradella 5 % Hornklee 4 %
Serradella 2,5 % Hornklee 2 % Rotklee 2 %
Sommerwicke 2,5 % Gelbklee 2 % Weißklee 2 %
 
Ein Schwerpunkt des Projektes „Landwirte spannen ein Blüten-Netzwerk” lag auf der Umweltbildungsarbeit. Im Rahmen des Projektes wurden von der Naturschutzberatung 30 Aktionen mit Schülern auf landwirtschaftlichen Betrieben in den Blühstreifen durchgeführt.
Bei den Aktionen wurde den Schülern die Problematik der Blütenarmut in der Landschaft nahe gebracht. In kleinen Gruppen erforschten die Kinder unter Anleitung die verschiedenen Pflanzen, die sie in den Blühstreifen finden konnten, lernten besondere Merkmale und Nutzungen der Pflanzen kennen und konnten z.B. selbst gepflückten Senf probieren.
Sie hörten von einem Imker Wissenswertes über das Leben der Bienen und konnten unterschiedliche Honigsorten probieren. Die Schüler lernten weiterhin den Unterschied zwischen Bienen und Wespen kennen und konnten mit einem selbst gebastelten Insektensauger auf die Pirsch gehen und sich Insekten in Becherlupen einmal ganz genau anschauen. Durch die Schulklassenaktionen wurde der Begriff Artenvielfalt für rund 700 Schüler lebendig.

Über Pressearbeit wurde die Öffentlichkeit auf die naturschutzfachlichen Aspekte von Blühstreifen in der sonst meist sehr intensiv genutzten Agrarlandschaft und das Thema Artenvielfalt aufmerksam gemacht werden. Mit dem Projekt „Landwirte spannen ein Blüten-Netzwerk” konnte eine gute Grundlage geschaffen werden, die in den kommenden Jahren weiter ausgebaut werden soll. Die Naturschutzberatung wird sich vertieft mit der Thematik mehrjähriger Blühstreifen und Blüten auf den Wirtschaftsflächen in Form von Unter- oder Zwischensaaten beschäftigen und sich dafür einsetzen, dass die Landwirte in Niedersachsen, das Thema Blüten in der Agrarlandschaft nicht aus den Augen verlieren.

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