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Flugakrobeten "sehen" mit den Ohren
08.05.2010 - Nordwest-Zeitung

BILDUNG Fledermauserkundungsabend auf dem Hof Gebken in Neuenbrok

Foto: Evely Eischeid
Die Viertklässler der Moorriemer Grundschu­le hatten sich bestens vorbereitet. Dennoch lernten sie viel dazu.
VON EVELYN EISCHEID

NEUENBROK -Sie nähern sich ihren Opfern lautlos, sie er­nähren sich von menschli­chem Blut und sie besitzen übernatürliche Kräfte -mit dem Aberglauben und Mythos über blutsaugende Vampire ­Untote, die in der Nacht in Gestalt riesiger Fledermäuse Unheil verbreiten - musste Birgit Petersen vom Kompe­tenzzentrum Ökologischer Landbau Niedersachsen am Donnerstagabend gar nicht erst aufräumen.
Ihre Gäste, die Kinder der Klasse 4b der Moorriemer Grundschule, waren auf das Thema "Fledermäuse" bes­tens vorbereitet und fast alle hatten schon einmal eine Fle­dermaus in den Abendstun­den flattern sehen.
Fledermäuse, die "gelieb­ten Nachtschwärmer" wurden nie absichtlich verfolgt, sind aber durch Beseitigung und Störung ihrer Wohn-und Le­bensstätten in Gefahr. Bevor die Kinder auf dem Gebken ­Hof in Neuenbrok gemeinsam mit Birgit Petersen Fleder­mauskästen aus Holz herstell­ten und anschließend in der Dämmerung auf Erkundungs­tour gingen, gab es im Kälber­stall des Hofes viele interes­sante Dinge zu erfahren. Die kleinsten Säugetiere leben seit 50 Millionen Jahren auf der Erde, sie haben Dinosaurier und viele andere inzwischen ausgestorbene Tierarten überlebt, sie sind tollkühne Flugakrobaten und fangen mit ihren Ohren beim Flug die Ultraschallechos ihrer Rufe auf, die aus Mund oder Nase ausgestoßen werden. Das Echo dieser Laute wird vom Gehörsystem so gut ausgewertet, dass Fledermäuse selbst haardünne Fäden, Ent­fernungen, Größe und Bewegungsrichtung eines Beutetie­res erkennenkönnen - sie "se­hen" mit ihren Ohren. Mit ihrem winzigen Raubtierge­biss können die Fledermäuse sogar die härtesten Chitin­panzer der Insekten knacken. ZumThema "Vampire": "Blut­saugende Vampirfledermäuse gibt es tatsächlich in Südame­rika", erzählte Birgit Petersen, "Menschen haben aber nichts von ihnen zu befürchten."
Ob "Großes Mausohr", "Kleiner Abendsegler", "Brau­nes Langohr" oder "Kleine Hufeisennase" - feststeht, dass die nützlichen und unter Naturschutz stehenden 25 in Deutschland beheimateten Arten der Insektenvertilger eine stetig wachsende Fan-Gemeinde haben - die wurde am Donnerstagabend durch einen weiteren Fan-Club erweitert: für die Viertklässler sind Fledermäuse die "gelieb­ten Nachtschwärmer", die es zu schützen gilt. Für die Gast­.freundschaft der Familie Geb­ken bedankten sich die Schülerinnen, Schüler und Eltern mit Blumen und einer "Brau­nen Langohr Schokoladentor­te".

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Birgit Petersen
Dipl. Ing. (FH) Landschaftsentwicklung

 
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