Projekt
Vergleich von Winterackerbohnensorten mit Blick auf deren Winterhärte, Ertragspotential und Pflanzengesundheit

Die Sommerform der Ackerbohne leidet in trockenen und heißen Jahren und die Erträge fallen weit unterdurchschnittlich aus. Winterackerbohnen hingegen haben den Vorteil, dass sie die Winterfeuchte nutzen und im Frühjahr einen Entwicklungsvorsprung gegenüber der Sommerform haben. Neben der besseren Wasserversorgung und -ausnutzung ist durch den Wachstumsvorsprung ein geringerer Druck durch tierische Schädlinge, insbesondere Blattläuse zu vermuten.

Ziel des Projektes

Erkenntnisgewinn aus der Praxis wie Ertragsniveau, Winterhärte, Lagergefahr und Konkurrenzverhalten gegenüber Unkräutern.

Aufgabe des KÖN im Projekt

Organisation und Begleitung der Praxisversuche auf Öko-Betrieben mit leichten Böden und ohne Beregnung. Es werden die drei in Deutschland zugelassenen Winterackerbohnensorten betrachtet. Die Projektergebnisse werden auf der Internetseite des KÖN veröffentlicht und bis zum 31.12.2027 zugänglich sein.

Projektlaufzeit

bis Dezember 2022

Das KÖN kooperiert mit der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, die die Sorten in einem eigenen Projekt in Parzellenversuchen überprüft.

Förderung

Land Niedersachsen, Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.

Aktualisiert am 28.10.2022

Portrait Ulrich Ebert
Ulrich Ebert
04262/9593-13
Winterackerbohnen-Sortenversuch
Sehr gute Erträge 2022

Auf einem humosen Sandstandort mit 32 Bodenpunkten in Schmalförden im Landkreis Diepholz standen 2020 bis 2022 Winterackerbohnen der Sorte Augusta der Norddeutsche Pflanzenzucht (NPZ) und die Sorte Arabella der Saatzucht Gleisdorf sowie 2021 die Sorte Diva des französischen Züchters Agri Optentions.

Die Aussaat erfolgte Anfang November mit 25 Körnern/m² und 37,5 cm Reihenabstand. Die Unkrautbekämpfung wurde betriebsüblich mit der Maschinenhacke und mit dem Striegel durchgeführt. Die Ernte war rund eine Woche früher als die der Sommerackerbohnen am gleichen Standort.

Die Sorte Augusta ist eine relativ kurze, standfeste Sorte mit weniger stark ausgeprägter Bestockung.

„Arabella“ ist etwas kürzer mit stärkerer Bestockung und mit einem eher niedrigen Hülsenansatz. Das kann zu Ernteverlusten führen. „Arabella“ hat eine gute Resistenz gegenüber Botrytis und Rostkrankheiten.

Die Sorte Diva überzeugte anfangs mit der besten Jungendentwicklung, Wüchsigkeit und Blattfülle, konnte diesen Vorteil aber nicht in einen hohen Ertrag umsetzen.

In dem Praxisversuch führte der starke Hülsenansatz der Sorte Arabelle im Jahr 2022 zu einem überdurchschnittlichen Ertrag von 61 dt/ha. Im dreijährigen Mittel hatte die Sorte Arabella mit rund 45 dt/ha gegenüber der Sorte Augusta mit 43 dt/ha einen Vorsprung von relativ vier Prozentpunkten.

Insgesamt beeindruckt das hohe Ertragsniveau der Winterackerbohnen auf sandigem Boden ohne Beregnung mit durchschnittlich 43,4 dt/ha über drei Jahre.

Praxis- Versuchserträge Winterackerbohnen Sortentest

 

Sorte 2020 dt/ha 2021 dt/ha 2022 dt/ha dreijähriger Durchschnitt dt/ha Relativ zum Mittelwert
Augusta 47,00 35,24 47,20 43,15 99 %
Arabella 43,20 29,64 61,90 44,91 103 %
Diva 27,07  – einjährig
Versuchsmittel 45,1 30,65 54,55 43,43

 

Die im Herbst – Mitte Oktober – ausgesäte Winterackerbohne erreicht im Frühjahr gegenüber der Sommerackerbohne einen deutlichen Wachstumsvorsprung. Sie überwintert mit einer Wuchshöhe von fünf bis acht Zentimetern und etwa vier bis sechs Blättern. In der Regel hat sie gegenüber der Sommerackerbohne einen Wachstumsvorsprung von rund zwei Wochen.

Winterackerbohnen kommen früher zur Blüte und früher zur Reife als Sommerackerbohnen. Ein zunehmend wichtiger werdender Vorteil ist, dass sie die Blüte oft vor der ersten Sommer-Trockenphase weitestgehend abgeschlossen haben. Der Entwicklungsvorsprung bedeutet potenziell auch weniger Schaden durch Schädlinge, speziell von Blattläusen. Dagegen zeigte sich im Jahr 2020 ein relativ früher und starker Befall mit Braunrost. Dieser pilzliche Erreger kann sich im Sommer bei hoher Luftfeuchtigkeit stark entwickeln.

Die Winterackerbohne hat eine relativ breite Standorteignung, da die Winterniederschläge besser ausgenutzt werden. Sie passt auch auf leichtere Böden mit Anschluss ans Grundwasser. Stand der Informationen: Oktober 2022