Mehr Ökolandbau in die Berufsschule – Geforderte 80 Stunden werden zu selten erreicht

Visselhövede (28.9.2021). Die Kultusministerkonferenz gibt 80 Stunden Ökolandbau in der landwirtschaftlichen Berufsschule vor. Das sind rund zehn Prozent des Unterrichts. Doch diese Stundenanzahl wird nur von wenigen Berufsschulen erreicht. Damit diese Stunden aber an allen Berufsschulen gelehrt werden, sind vor allem die Lehrerinnen und Lehrer gefordert, und die brauchen Unterstützung. Das ist die zentrale Erkenntnis aus fünf Jahren Arbeit des Kompetenzzentrums Ökolandbau Niedersachsen (KÖN) am Thema „Berufliche Bildung“. Die 80 Stunden der Kultusministerkonferenz sind außerdem eine Mindestforderung der Bio-Branche. „Wenn wir das politische Ziel haben, 20 Prozent Ökolandbau bis 2030 zu erreichen, dann müssen wir die Quantität und Qualität der Ausbildung verbessern“, sagt Carolin Grieshop, Geschäftsführerin des KÖN. Auf der Abschlusstagung in Hofgeismar diskutierten vergangene Woche 130 Experten Ergebnisse, Probleme und Lösungsvorschläge. Die Tagungsergebnisse sind auf der Website des KÖN veröffentlicht unter www.oeko-komp.de.

Einfluss zu nehmen auf die Berufliche Bildung, ist kompliziert. Zwar gibt es Lehrpläne, Curricula, Handreichungen und andere Richtlinien, doch Lehrerinnen und Lehrer entscheiden selbst, wie sie den Unterricht gestalten. Es ist außerdem schwierig, die von der Kultusministerkonferenz angeratenen 80 Stunden zu erkennen, wenn Ökolandbau integrierter Bestandteil des Fachunterrichtes ist. Ökolandbauthemen werden jedoch auch außerhalb des Klassenraumes vermittelt. Es gibt Öko-Projekttage und Exkursionen zu Öko-Höfen. In der Hälfte der Überbetrieblichen Ausbildungsstätten wird manuelle Unkrautbekämpfung gezeigt. Öko-Tierhaltung ist jedoch sehr selten ein Thema. Damit mehr Ökolandbau in die Ausbildung integriert wird, müssen viele Stellen zusammenarbeiten und Lehrerinnen und Lehrer mehr unterstützt werden. Unterrichtsmaterialien gehören dazu wie Weiterbildungsangebote. Öko-Landwirtinnen und Landwirte können in den Ausschüssen mitarbeiten, Prüfungen abnehmen, ihren Hof als Exkursionsbetrieb zur Verfügung stellen oder sich auch im Rahmen von Projektwochen in den Unterricht einbinden lassen. Die Ministerien und die nachgelagerten Behörden können Koordinierungsaufgaben übernehmen.

Seitdem das KÖN an dem Thema arbeitet, ist die öffentliche Wahrnehmung für die Bedeutung des Ökolandbaus in der regulären Ausbildung deutlich gestiegen. Dazu haben auch die rund 30 Fachveranstaltungen mit rund 600 Bildungsexperten aus Deutschland beigetragen. „In den vergangenen Jahren hat sich schon einiges verbessert“, sagt Carolin Grieshop. In Berlin-Brandenburg, Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben die Landwirtschaftsministerien die Koordination für „mehr Ökolandbau in der beruflichen Bildung“ übernommen. In Nordrhein-Westfalen ist es die Landwirtschaftskammer und in anderen Bundesländern sind auch die Dachorganisationen der Öko-Verbände aktiv. Alle Experten sind sich einig, dass Ökolandbau in die Berufsschule gehört. Einig ist man sich auch darüber, dass es keine eigene Ausbildung für Ökolandwirte geben soll. „Auch Azubis von konventionellen Höfen haben Vorteile, wenn sie die Grundlagen des Ökolandbaus gelernt haben“, sagt Carolin Grieshop, „egal ob sie Bio-Bauern werden wollen oder nicht.“

Die Ergebnisse aus der KÖN-Arbeit mit „Ökolandbau in der Beruflichen Bildung“, Unterrichtsbeispiele und eine Karte mit Exkursionsbetrieben in Deutschland sind unter www.oeko-komp.de (Projekte) zu finden. Projektpartner des KÖN waren der DBV und der VLK. Das Projekt wurde finanziert vom BMEL aus dem BÖLN.

Lehrerinnen und Lehrer sind die Hauptfiguren, wenn es um Ökolandbau im
Berufsschulunterricht geht. Auf der Fachtagung in Hofgeismar stellten
sie Unterrichtsbeispiele vor, die ihren Berufskollegen Anregung für
eigene Unterrichtseinheiten sein können. Foto: Dieter Schachtschneider
(honorarfrei)
„Mehr Ökolandbauunterricht in der Berufsschule“ ist eine Forderung,
die von Experten und Berufsvertretern geteilt wird. Auf der Tagung
diskutierten Henrik Fichter vom „Arbeitskreis Zuständige Stellen“
(links), Martin Lambers, Deutscher Bauernverband (DBV),
Dorothée Hahn von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung,
Gerald Dohme, DBV, Andreas Heym vom Bundesministerium für Ernährung
und Landwirtschaft, Carolin Grieshop, KÖN, sowie Peter Röhrig vom Bund
Ökologische Lebensmittelwirtschaft über den richtigen Weg. Foto:
Dieter Schachtschneider (honorarfrei)
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